Französische Küche Lothringen / Grand Est

Wer hat die Madeleine erfunden? Das ist doch gerade... Madeleine.

Weich, goldbraun, leicht gewölbt: Die Madeleine ist Teil des französischen kulinarischen Erbes. Woher kommt sie? Warum heißt sie so? Und vor allem: Wie gelingt sie zu Hause? Wir erzählen Ihnen die Geschichte und Legende dieses kleinen Kuchens und verraten Ihnen das Hausrezept sowie drei originelle Ideen, um ihn neu zu interpretieren.
Artikel aktualisiert am 4. Januar 2026

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Einfaches Rezept für hausgemachte Madeleines

 

Die Zutaten

  • 255 g Mehl (T55)

  • 3 Eier

  • 200 g Zucker

  • 125 g Butter

  • 5 cl Milch

  • 1 Päckchen Vanillezucker

  • 1 Päckchen Backpulver (5 g)

 

Das Verfahren

 

Goldbraune Madeleines, die aus der Form kommen, weich und duftend, Symbol der französischen Patisserie und des traditionellen Nachmittagsimbisses.

Bild von SweetMellowChill von Pixabay

 

  1. Die Butter langsam schmelzen lassen, ohne sie zu kochen.

  2. Mehl, Zucker, Vanillezucker und Backpulver in einer großen Schüssel vermischen.

  3. Eier und Milch hinzufügen und zu einem glatten Teig verrühren.

  4. Die geschmolzene Butter unterrühren und mindestens eine Minute lang verquirlen.

  5. Lassen Sie den Teig 2 Stunden bei Raumtemperatur unter einem Tuch ruhen.

  6. Den Backofen auf 220 °C vorheizen.

  7. Fetten Sie Ihre Förmchen ein (Metall ist ideal).

  8. Füllen Sie jeden Abdruck zur Hälfte.

  9. Backen Sie 5 Minuten bei 200 °C, dann 6 Minuten bei 180 °C.

 

Tipp vom Chefkoch

 

Um die charakteristische Wölbung zu erhalten, decken Sie die gefüllte Form mit Folie ab und lassen Sie sie einige Minuten im Kühlschrank ruhen, bevor Sie sie in den Ofen schieben.
Durch anfängliche Hitze geht der Teig auf.
Und wenn Sie subtile Aromen mögen, probieren Sie die leicht lauwarme braune Butter.

 

 

Herzhafte  rezepte

 

 

Madeleine – warum ein Vorname für einen Kuchen?

 

Eine Süßigkeit, entstanden durch einen eiligen König und eine inspirierte Dienerin

 

Manche sagen, dass die Madeleine sehr alt ist. Angeblich wurde sie bereits im Mittelalter hergestellt und in Jakobsmuscheln gebacken – was die unverkennbare Form des kleinen Kuchens erklären würde.
Aber die bekannteste Version führt uns nach Lothringen im 18. Jahrhundert, in die Zeit von König Stanislas, Herzog von Lothringen und Bar, einem großen Liebhaber von gutem Essen und kulinarischen Überraschungen.

 

Porträt von Stanislas I. Leszczynski, König von Polen und Herzog von Lothringen, gemalt von Jean-Baptiste van Loo und im Schloss von Versailles ausgestellt, zeigt einen aufgeklärten Fürsten des 18. Jahrhunderts, dessen politisches und kulturelles Erbe eng mit Nancy und Lothringen verbunden ist, photo choisie par monsieurdefrance.com

Porträt von Stanisław I. von Jean-Baptiste van Loo, aufbewahrt im Schloss Versailles.

 

Als Stanislas ohne Vorwarnung in Commercy eintrifft

 

Wie so oft wechselte König Stanislas seinen Wohnsitz je nach Laune. Er hatte sein großes Schloss in Lunéville, das bereits als „Versailles Lothringens” bezeichnet wurde, und sein intimeres Schloss in Commercy in der Maasregion.
Eines Tages tauchte er unerwartet auf: Sein Koch war unvorbereitet und hatte nichts für das Dessert vorgesehen. Wütend schlug der Chef die Tür zu. Panik in der Küche!

 

 

Die geniale Idee einer jungen Frau: Madeleine Paulmier

 

Da kommt Madeleine Paulmier, Hilfsköchin, ins Spiel, die nicht die Nerven verliert. Sie improvisiert mit den vorhandenen Mitteln ein Dessert nach einem Rezept, das ihr ihre Großmutter verraten hat.
Als die kleinen Kuchen auf den Tisch kommen, probiert Stanislas einen davon ... und ist sofort begeistert.
Er bittet darum, diejenige kennenzulernen, die diese Köstlichkeit zubereitet hat. Man stellt ihm Madeleine vor. Der König gratuliert ihr und verlangt nach weiteren dieser Süßigkeiten, die fortan den Namen ihrer Erfinderin tragen werden.

 

Schloss Commercy in Lothringen, Residenz von König Stanislas im 18. Jahrhundert, legendäre Wiege der französischen Madeleine.

Das Schloss von Commercy zur Zeit von Madeleine Quelle: wikicommons

 

 

Die Madeleine, Symbol von Commercy und Stolz Lothringens

 

Auch heute noch werden in Commercy Madeleines hergestellt. Früher wurden sie in Zügen verkauft, die gerade hielten, und in Hutschachteln aufbewahrt, die die Reisenden als kulinarisches Souvenir mit nach Hause nahmen. „La Cloche Lorraine” führt diese Tradition fort, während in Liverdun in der Nähe von Nancy seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine etwas festere Madeleine hergestellt wird, die jedoch ebenso lecker ist.
Zwei unterschiedliche, aber untrennbare Schwestern derselben lothringischen Familie.

 

Auswahl an goldbraunen, weichen Madeleines, Ikonen der französischen Patisserie und Symbole für das kulinarische Know-how Lothringens.

Madeleines / Bild von Chatham172/Shutterstock

 

 

FAQ: Alles Wissenswerte über die Madeleine aus Commercy

 

Woher stammt die Madeleine?
Der Legende nach improvisierte Madeleine Paulmier 1755 in Commercy diesen Kuchen für Herzog Stanislas.

 

Warum heißt der Kuchen „Madeleine“?
Weil er den Namen seiner Erfinderin, Madeleine Paulmier, trägt.

 

Wie erhält man die typische Wölbung?
Ein sehr heißer Ofen (230 °C) zu Beginn, eine Ruhezeit des Teigs im Kühlschrank und gut gefüllte Formen.

 

Kann man Madeleines ohne Butter backen?
Ja, mit Margarine oder Öl, aber der Geschmack ist weniger reichhaltig und die Konsistenz weniger zart.

 

Wo gibt es die besten Madeleines?
In Commercy bei La Cloche Lorraine oder in Liverdun, wo diese Tradition seit über einem Jahrhundert gepflegt wird.

 

 

Süße Rezepte

 

 

3 originelle Madeleines-Rezepte 

 

🍯 1. Madeleines mit Lindenblütenhonig und Zitronenschale

 

Eine duftende Süßigkeit, weich im Kern, mit einer blumigen Note.

 

Zutaten (für 18 Madeleines):

  • 100 g weiche Butter

  • 2 Eier

  • 80 g brauner Zucker

  • 1 Esslöffel Lindenblütenhonig

  • 100 g Mehl

  • 1/2 Päckchen Backpulver

  • Die fein geriebene Schale einer unbehandelten Zitrone

  • Eine Prise Salz

 

Zubereitung:

 

  1. Die Butter bei schwacher Hitze schmelzen lassen und anschließend abkühlen lassen.

  2. Eier, Zucker und Honig verquirlen, bis die Masse weiß wird.

  3. Mehl, Backpulver und Salz hinzufügen, dann die Zitronenschale.

  4. Die geschmolzene Butter hinzufügen und vermischen.

  5. Den Teig 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.

  6. Die gebutterten und bemehlten Förmchen zu ¾ füllen.

  7. Bei 210 °C (Thermostatstufe 7) 5 Minuten backen, dann auf 180 °C herunterdrehen und weitere 6 bis 8 Minuten backen.

  8. Lauwarm aus der Form nehmen.
    👉 Durch den Temperaturschock entsteht die für Madeleines typische hübsche goldene Wölbung!

 

Tipp: Mit einem milden Tee oder einem Blütentee servieren.

 

 

Rezepte von Oma

 

 

🍫 2. Madeleines nach Art von Brownies mit dunkler Schokolade und Fleur de Sel

 

Eine Verschmelzung zwischen der Zartheit der Madeleine und der Intensität der Schokolade.

 

Zutaten (für 18 Madeleines):

  • 90 g Butter

  • 100 g dunkle Schokolade (70 %)

  • 2 Eier

  • 80 g brauner Zucker

  • 60 g Mehl

  • 1/2 Päckchen Backpulver

  • 1 Prise Fleur de Sel

 

Zubereitung:

 

  1. Butter und Schokolade zusammen im Wasserbad schmelzen lassen.

  2. Die Eier und den Zucker schaumig schlagen.

  3. Mehl, Backpulver und Fleur de Sel unterrühren.

  4. Die geschmolzene Butter-Schokoladen-Mischung hinzufügen und vorsichtig unterrühren.

  5. Mindestens 30 Minuten in der Kälte ruhen lassen.

  6. Füllen Sie die Madeleine-Formen.

  7. Bei 200 °C 10 Minuten lang backen.

  8. Vor dem Entformen abkühlen lassen.

 

Tipp: Fügen Sie vor dem Backen einen weichen Karamellkern oder gehackte Nüsse hinzu, um das Ganze noch köstlicher zu machen.

 

 

Dessertrezepte für die ganze Familie

 

 

🌸 3. Madeleines mit Lavendel und Mandeln

 

Ein Rezept aus dem Süden, das nach Urlaub in der Provence duftet.

 

Zutaten (für 18 Madeleines):

 

  • 2 Eier

  • 100 g weißer Zucker

  • 100 g geschmolzene Butter

  • 100 g Mehl

  • 1/2 Päckchen Backpulver

  • 1 Esslöffel getrocknete Lavendelblüten (lebensmitteltauglich)

  • 30 g Mandelpulver

  • 1 Teelöffel Bittermandelextrakt

  • 1 Prise Salz

 

Zubereitung:

 

  1. Chauffez doucement le beurre avec la lavande, laissez infuser 10 min puis filtrez.

  2. Fouettez les œufs avec le sucre.

  3. Ajoutez la farine, la levure, la poudre d’amande et le sel.

  4. Die aromatisierte Butter und den Mandelextrakt hinzufügen. Gut vermischen.

  5. 1 Stunde kalt stellen.

  6. Bei 200 °C 8 bis 10 Minuten backen.

  7. Auf einem Gitterrost abkühlen lassen.

 

 

Jérôme Prod'homme

Jérôme Prod'homme

 Jérôme Prod'homme ist Monsieur de France.
Er ist ein französischer Kulturkenner und unabhängiger Historiker mit ausgewiesener Erfahrung in den Bereichen französisches Kulturerbe, Geschichte, regionale Traditionen und Gastronomie. Seit vielen Jahren schreibt er für französische Medien, Kulturmagazine und Rundfunk über Themen wie historische Stätten, französische Monarchie, regionale Identität und die Kultur der französischen Küche

Auf Monsieur de France präsentiert Jérôme authentische Reiseempfehlungen auf Basis eigener Erfahrung. Er bereist Frankreich intensiv, besucht Städte und Dörfer, historische Schauplätze, Märkte und traditionelle Restaurants. So kann er zuverlässige Empfehlungen geben — von bekannten Kulturerbestätten bis hin zu wenig bekannten Orten, die man ohne Insiderwissen kaum findet. 

Seine Texte verbinden historische Erzählung mit praktischem Reise- und Kulinarik-Wissen und bieten Einblicke in das wahre Frankreich: seine Geschichte, seine regionale Vielfalt, seine Lebensart und seine kulinarischen Traditionen, die Frankreich weltweit einzigartig machen. 

Jérôme Prod'homme

Jérôme Prod'homme

 Jérôme Prod'homme ist Monsieur de France.
Er ist ein französischer Kulturkenner und unabhängiger Historiker mit ausgewiesener Erfahrung in den Bereichen französisches Kulturerbe, Geschichte, regionale Traditionen und Gastronomie. Seit vielen Jahren schreibt er für französische Medien, Kulturmagazine und Rundfunk über Themen wie historische Stätten, französische Monarchie, regionale Identität und die Kultur der französischen Küche

Auf Monsieur de France präsentiert Jérôme authentische Reiseempfehlungen auf Basis eigener Erfahrung. Er bereist Frankreich intensiv, besucht Städte und Dörfer, historische Schauplätze, Märkte und traditionelle Restaurants. So kann er zuverlässige Empfehlungen geben — von bekannten Kulturerbestätten bis hin zu wenig bekannten Orten, die man ohne Insiderwissen kaum findet. 

Seine Texte verbinden historische Erzählung mit praktischem Reise- und Kulinarik-Wissen und bieten Einblicke in das wahre Frankreich: seine Geschichte, seine regionale Vielfalt, seine Lebensart und seine kulinarischen Traditionen, die Frankreich weltweit einzigartig machen.